Die älteste funktionale Beinprothese: Archäologische und paläopathologische Studien zur individuellen Gesundheitsgeschichte in Turfan, West-China, im 3. Jh. v. Chr.
  • Versteift gebeugtes und verknöchertes linkes Knie. A, Röntgenbild. B, Fotografie. © DAI.
  • Pathologische Knochenveränderungen als Spuren der Tuberkulose. © DAI.
  • Details der Beinprothese. © DAI.
  • Rekonstruktion des Stelzbeins mit Träger. © DAI.
  • Tabelle 1. © DAI.
  • Tabelle 2. © DAI.

In diesem Artikel wird die älteste bekannte voll funktionale Beinprothese vorgestellt. Sie wurde im Grab eines Mannes in Shengjindian, Xinjiang, China, gefunden und mit Hilfe der Radiokarbonmethode in die Zeit von 300-200 v. Chr. datiert. Der Mann erlitt wahrscheinlich eine Tuberkuloseinfektion, die zu Verletzungen von Rippen und der Halswirbelsäule führte. Besonders stark war jedoch sein linkes Kniegelenk betroffen, das verknöcherte und gebeugt versteifte. Vergleichbar zu Fällen von unter-Knie-Amputationen der Neuzeit, wurde der fehlende (in diesem Fall behinderte) Unterschenkel durch eine äußerlich angepasste Prothese ersetzt. Sie ist der älteste erhaltene Nachweis einer funktionalen Beinprothese. Die einfache aber effektive Konstruktion aus Holz, Schaf- oder Ziegenhorn, Pferde- oder Eselshuf und Lederriemen ähnelt auffallend den Stelzfüßen, die vom späten 19. bis mittleren 20. Jahrhundert in Amerika und Europa produziert wurden. Tiefe Abnutzungsspuren an der Prothese und das Fehlen von Muskelatrophie an den gesunden Skelettregionen deuten darauf hin, dass der Mann einige Jahre lang damit aktiv war.

 

Kooperationspartner: School of Chinese Classics, Renmin University of China (Li X.), Turfan Academy (Zhang Y. B.), School of Archaeology and Museology, Peking University (Wu X. H.), Naturwissenschaftliches Referat der Zentrale des DAI (J. Gresky), Institut für Geologische Wissenschaften, Freie Universität Berlin (P. Tarasov), Faculty of Physics, Adam Mickiewicz University (T. Goslar) • Leitung des Projekts: M. Wagner

Konstruktion der Prothese (siehe Abbildungen): Der flache obere Teil diente der Fixierung und ging auf Höhe des Knies direkt in die Stelze über. Ihr Ende steckte in einem Ziegen- oder Schafshorn, damit es sich nicht so schnell abnutzte. Ein darüber gezogener Huf eines Pferdes oder eines Esels schützte vor dem Einsinken in weichen Boden. Tiefe Kerben an den Durchzügen der  Lederbänder und Abrieb an der Kontaktfläche mit dem Knie und Oberschenkel zeugen von langem Gebrauch.

Den vollständigen Artikel schicken wir Ihnen auf Anfrage zu oder Sie finden ihn auf: doi:10.1016/j.quaint.2012.05.010

Autor

Mayke Wagner

Wie man diese Seite zitiert:

Bridging Eurasia , September 2014 , bridging-eurasia.org/de/node/336
Zugriff:20 September, 2017 - 13:16